Immer wieder liest man Stilblüten aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, manches davon kann man nicht glauben, bis man es mit eigenen Augen gesehen hat. Zum Beispiel geht in Chicago die Polizei ganz neue Wege in der Verbrechensbekämpfung, die im Grunde aber seltsam altertümlich anmuten.
Das in den USA die Prostitution und die Nutzung dieser „Dienstleistung“ verboten ist, ist an sich nichts Ungewöhnliches. Das es trotzdem Prostituierte und Freier gibt, kann man sich denken. Die Polizei von Chicago hat zur Bekämpfung der Prostitution nun den Pranger wieder eingeführt und macht mit Plakatwerbung die Öffentlichkeit darauf aufmerksam.
Im grauen Mittelalter war diese Form der Bestrafung sehr gängig. Selbst für kleinste Vergehen wurde man an den Pranger festgekettet und die Menschen konnten mit dem Angeprangerten machen, was sie wollten. In meiner Heimatstadt Lindau war der Pranger übrigens kein Pfahl sondern ein Loch auf dem Marktplatz, in das man geworfen wurde. Aber das tut hier weniger zu Sache. Die Polizei in Chicago prangert also wieder. Zugegeben, das Ganze ist etwas moderner geworden: Die Angeprangerten können nur im Internet betrachtet werden, sind nicht öffentlich angekettet und der Willkür der Bevölkerung ausgesetzt, aber im Grunde bleibt es dasselbe.
Auf der Internetseite des Chicago Police Departments können die Verbrecherfotos von Prostituierten, Zuhältern und Freiern betrachtet werden. Fotos alleine sagen wenig aus, daher finden sich die wichtigsten Personalien gleich unter dem Bild. So kann man z.B. lesen, dass Javier Diaz (21), wohnhaft in der Paulina Street, Chicago, am 19. Juni 2005 in der Ravenswood Avenue verhaftet wurde. Immerhin war er scheinbar mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs, denn es wurde kein Fahrzeug von ihm beschlagnahmt …
Geht es noch? Zu Prostitution kann man stehen wie mal will, ich persönlich bin eher Gegner, den Befürworter, aber wo bleiben den da die Menschenrechte? Wo soll das noch hinführen? Zu einer landesweit abrufbaren Personalakte mit allen Daten von Kinderkrankheiten über Jugendsünden bis hin zu Strafzetteln fürs Falschparken? Und ich dachte schon, die Abfrage der Kundendaten bei Kreditinstituten durch deutsche Behörden wären schlimm. Im Vergleich zu dem, was sich über dem großen Teich entwickelt, ist das aber geradezu harmlos.

Hier kann man nachsehen, wer gerade mit heruntergelassener Hose erwischt wurde.
Screenshot von 22.06.2005:
screenshot cpd